Sonstige Reaktionen auf Nahrungsmittel

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Sonstige Reaktionen auf Nahrungsmittel

Sonstige Reaktionen auf Nahrungsmittel: Pseudoallergien, biogene Amine/Histaminintoleranz, Salizylat-Sensitivität, eosinophile gastrointestinale Syndrome, Alkoholreaktionen, multiple Chemikalienüberempfindlichkeit (multiple chemical sensitivity (MCS))

Immun-vermittelte Nahrungsmittelallergien können in IgE-vermittelte und nicht-IgE-vermittelte Allergien unterteilt werden. Für IgE-vermittelte Allergien gibt es spezifische Tests (siehe Nahrungsmittelallergien), für nicht-IgE-vermittelte Allergien jedoch existieren gegenwärtig keine anerkannten Tests. Über diese immun-vermittelten Reaktionen hinaus wird häufig auch von weiteren allergieartigen Reaktionen ohne einen bestätigten Immunmechanismus berichtet. Diese Reaktionen werden unten zusammen gefasst. Während es zweifellos klinische Belege für diese Reaktionen gibt, müssen Mechanismus und Behandlung in langfristigen und gut kontrollierten medizinischen Versuchen noch bestätigt werden.

Pseudoallergien

Pseudoallergische Reaktionen bewirken allergieähnliche Symptome, jedoch ohne eine erkennbare Überempfindlichkeit des Immunsystems. Pseudoallergien können viele Verursacher haben, u. a. Medikamente sowie natürliche oder künstliche Lebensmittelinhaltsstoffe. Der zugrundeliegende Mechanismus ist noch unklar, es wurden jedoch zahlreiche Wirkungen auf verschiedene Zellen und die Freisetzung chemisch aktiver Transmitter dokumentiert. Pseudoallergien kommen bei zwischen 1 und 60% der Menschen vor, es gibt jedoch auch konservativere Schätzungen, die von 0,1 bis 2% pro Zusatzstoff ausgehen. Reaktionen scheinen bei Kindern häufiger aufzutreten.

Zu den am häufigsten berichteten Verursachern von Pseudoallergien gehören:

  • Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Schmerzmittel, Muskelrelaxantien und Röntgenkontrastmittel.
  • Lebensmittelzusatzstoffe: Lebensmittelfarbstoffe (z. B. Tartrazin E102, Gelborange E110 und viele andere), Antioxidantien (z,. B. BHA, BHT), Natriumnitrat, Natriumbenzoat, Kaliumdisulfid, Aromastoffe, Bindemittel, Säuremittel, Umhüllungsmittel und künstliche Süßstoffe (z. B. Aspartat).
  • Sogenannte natürliche Lebensmittel können viele Zusätze zur Verbesserung von Haltbarkeit oder Aussehen enthalten, sowie Geschmacksverstärker oder andere natürliche Substanzen, die von sich aus Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen können.

Die am häufigsten mit einer Pseudoallergie in Verbindung gebrachten Symptome sind chronisches Hautjucken (Nesselsucht) und Ausschläge, chronische Rhinitis (laufende Nase) und Sinusitis, Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen. Auch das Auftreten von Asthma, Ödemen, erhöhter Lichtempfindlichkeit und Schock (Anaphylaxie) ist möglich.

Die Diagnose von Pseudoallergien ist oft schwierig, da es keine spezifischen Haut-, Verdauungstrakt- oder Laborteste gibt und die Identifikation des schuldigen Inhaltsstoffs meist sehr mühsam ist. Die wirksamste Form der Diagnose ist mittels Ausschlussdiät, bei der auf Pseudoallergene verzichtet und ein Symptomtagebuch geführt wird, mit anschließendem speziellen Provokationstest (siehe Ausschlussdiäten). Der Provokationstest muss wegen möglicher schwerwiegender Reaktionen unter medizinischer Aufsicht durchgeführt werden. Wir empfehlen für Diagnose und Behandlung dieses komplizierten klinischen Leidens die Konsultation eines erfahrenen Facharztes oder Ernährungsberaters.

Bitte beachten Sie: Einige weiter gefasste Definitionen von Pseudoallergien umfassen auch die unten genannten Beschwerdenbilder sowie die Zuckerintoleranzen (siehe Nahrungsmittelintoleranzen).

Literaturlinks: Medizinische Übersichtartikel:

Biogene Amine, Histamin- oder Tyramin-Intoleranz, Scrombroidvergiftung

Biogene Amine wie Histamine und Tyramine sind Substanzen, die sich während der beabsichtigten oder unbeabsichtigten mikrobiellen Fermentation von Lebensmitteln oder bei verderbenden Lebensmitteln bilden. Bestimmte Lebensmittel enthalten von Natur aus hohe Mengen an Histaminen, Tyraminen und/oder anderen biogenen Aminen. Diese sind u. a.:

  • Käse (insbesondere reife Sorten), fermentiertes Fleisch, Wein, Dauerwurst, Sauerkraut, Pilze, Miso und Sojasauce, Schokolade und Hefe

Manche Personen reagieren empfindlicher auf Histamine, möglicherweise aufgrund eines Defekts der Enzyme Diamineoxidase oder Histamin-N-Methyltransferase, die das Histamin im Dünndarm aufspalten. Es wird geschätzt, dass 2-5% der Erwachsenen an einer Histaminintoleranz leiden, dieses Leiden ist jedoch aufgrund fehlender Bestätigung durch klinische Studien umstritten. Mögliche aber gegenwärtig noch nicht belegte Diagnosemethoden sind die Bestimmung der Enzymmenge im Darmgewebe, im Blut sowie genetische Tests.

Auch manche Medikamente können die Aktivität dieser Enzyme beeinträchtigen. Diese sind u. a.:

  • Antibiotika (Clavulansäure/Augmentin; Doxycylin, Isoniazid), Metoclopramid, Verapamil, Promethazin, ältere Antidepressiva (Monoaminoxidase-Inhibitoren), möglicherweise pflanzliche Zusatzstoffe und Nahrungsergänzungsmittel

Andere Medikamente fördern die Freisetzung von Histamin aus den Immunzellen, so z. B. manche Opioide, Muskelrelaxantien, Röntgenkontrastmittel und Alkohol.

Verdorbene Lebensmittel mit der damit verbundenen bakteriellen Zersetzung sind eine sehr häufige Quelle für biogene Amine. Die sogenannte Scrombroidvergiftung ist eine Hauptursache für Reaktionen nach dem Essen von Fisch. Bei unzureichender Kühlung ist vor allem Fisch mit dunklem Fleisch betroffen:

  • Tunfisch, Kahawai, Makrele, Bonito, Königsmakrele, aber auch Westaustralischer Lachs, Sardinen, Mahi-Mahi und Blauer Marlin.

Die biogenen Amine lassen sich, wenn sie sich einmal gebildet haben, nicht durch Hitze oder Kühlung zerstören. Der Verzehr von ordnungsgemäß gekühltem Fisch ruft diese Reaktionen nicht hevor.

Zu den Symptomen gehören ein Brennen oder Jucken im Mund, Übelkeit, Hitzewallungen, Hautausschläge oder Nesselsucht, Jucken, Durchfall, Kopfschmerzen, veränderter Blutdruck (sowohl nach oben, als auch nach unten), Schwindel und Ohnmacht. Die Symptome treten in der Regel innerhalb ein paar Minuten nach dem Verzehr des Lebensmittels auf und halten von ein paar Stunden bis zu 24 Stunden an. Sie bedürfen keiner besonderen Behandlung; die Symptome verschwinden von selbst. Auftretendes Asthma kann mit einer Histaminintoleranz zusammen hängen.

Reaktionen auf biogene Amine sind keine allergischen Reaktionen. Im Unterschied zu einer Fischallergie wird derselbe Fisch sonst vertragen.

Literaturlinks: Medizinischer Übersichtsartikel mit einer Tabelle biogener Lebensmittelinhaltsstoffe:

Salizylat-Sensitivität / -intoleranz

Salizylate sind chemische Substanzen, die natürlich in vielen Pflanzen vorkommen und auch in Aspirin und anderen Schmerzmitteln enthalten sind. Sie kommen in vielen Obst- und Gemüsesorten vor, aber auch in Gesundheits-, Schönheits- und Haushaltsreinigungsprodukten. Die Häufigkeit einer Salizylat-Überempfindlichkeit liegt bei 2 bis 40% der Patienten, die eine Allergieklinik aufsuchen und zwischen 2 und 7% der Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen, wie entzündliche Darmerkrankungen. Salizylat-Sensitivität ist keine klassische Allergie mit Beteiligung des Immunsystems; die Ursache liegt vermutlich an einer Überproduktion von Leukotrienen (Mediatoren entzündlicher Reaktionen) und deren Metaboliten. Die Existenz der Salizylat-Sensitivität wird von vielen Allergiespezialisten aufgrund der fehlenden und teilweise sogar konträren medizinischen Belege bestritten. Es wurde jedoch bereits von zahlreichen möglichen Fällen berichtet.

Die Menschen vertragen unterschiedliche Mengen von Salizylat und eine Intoleranz zeigt sich nicht unbedingt nach dem Verzehr eines jeden salizylathaltigen Produkts. Eine Liste der Substanzen, die Salizylat in höheren Konzentrationen enthalten, finden Sie unten. Diese überschneidet sich ganz erheblich mit der unter Pseudoallergien zitierten, was möglicherweise daran liegt, dass eine Salizylat-Sensitivität als eine solche Pseudoallergie definiert werden kann. Viele Nahrungsmittel mit einem hohen Salizylatgehalt beinhalten auch hohe Mengen an Aminen (siehe Biogene Amine):

  • Lebensmittel: Obst wie Äpfel, Aprikosen, Avocado, Datteln, Kiwi, Pfirsich, Feigen, Trauben, Pflaumen, Kirschen, Grapefruit, Trockenpflaumen und viele Beeren, z. B. Erdbeeren, Blaubeeren, Himbeeren. Nüsse, auch Pinienkerne, Erdnüsse, Pistazien und Mandeln.
  • Gemüse wie Alfafa-Sprossen, Blumenkohl, Chicorée, Gurken, Champignons, Rettich, Oliven, Saubohnen, Auberginen, Spinat, Zucchini, Broccoli und Peperoni.
  • Kräuter, Gewürze und Würzmittel (z. B. Anis, Cayenne, Curry, Dill, Thymian, weißer Essig, Worcestersauce), Tomatenmark und –soßen, Essig, Sojasoße, Marmeladen und Gelees, sowie einige Käsesorten.
  • Getränke wie Kaffee, Wein, Bier, Orangensaft, Apfelwein, Schwarztee, Kräutertees, Rum oder Sherry.
  • Manche Süßigkeiten wie Pfefferminz, Lakritz, Kaugummi mit Minzgeschmack, Atemfrischer, Speiseeis, Gummibärchen.
  • Gesundheits- und Schönheitsartikel: Parfum, Shampoo, Konditioner, Kräutermittel, Lippenstifte, Lotionen, Reinigungsmilch, Mundspülungen, Zahnpasta mit Minzgeschmack, Rasiercreme, Sonnencremes, Bräunungscremes, Cremes gegen Muskelschmerzen.
  • Medikamente und oral eingenommene chemische Produkte: Alka Seltzer, Aspirin, Acetylsalicylsäure / Salicylsäure / Salicylate, 5-ASA-Komponenten (z. B. Mesalazin), verschiedene nichtsteroidale Antiphlogistika ( NSAIDs), künstliche Lebensmittelfarb- und –geschmacksstoffe, Menthol und Minze / Pfefferminz / Spearmint.
  • Weitere Inhaltstoffe, die eventuell vermieden werden sollten: Aloe Vera, Azofarbstoffe, Benzoat (Konservierungsmittel), Benzylsalizylat, BHA, BHT, Disalcid, Eukalyptusöl, Wintergrünöl, roter Farbstoff (#40), Salizylaldehyd, Salizylamid, Salsalat, gelber Farbstoff (#5, #6).

Die Symptome einer Salizylat-Sensitivität sind unterschiedlich, können denen von Asthma ähneln, wie erschwertes Atmen und Keuchen, aber auch Kopfschmerzen, verstopfte Nase, Hautausschlag, Nesselsucht und Jucken, Anschwellen von Händen, Füssen und Gesicht, Entzündung der Augen, Magenschmerzen und Übelkeit beinhalten. In schweren Fällen kann eine Salizylat-Sensitivität zu einer Anaphylaxie führen, einer lebensbedrohlichen Reaktion, die sich in einem erheblichen Blutdruckabfall, Bewusstseinsverlust und Organversagen äußert. Der Verzicht auf Produkte, die Salizylat enthalten, ist die beste Methode zur Vermeidung einer Reaktion.

Die Diagnose einer Salizylat-Sensitivität erfolgt durch die extensive Beobachtung der verwendeten Lebensmittel und anderer Substanzen denen die Person ausgesetzt ist und der daraufhin womöglich auftretenden Symptome. Ein Ernährungstagebuch (siehe Ernährungstagebuch) kann für diesen Zweck sehr hilfreich sein, und eine Ausschlussdiät (siehe Ausschlussdiät) kann erforderlich sein, um die hauptsächlich betroffenen Lebensmittel zu bestätigen. Der völlige Verzicht auf Produkte mit Salizylat ist weder möglich noch notwendig, da die Überempfindlichkeit häufig nur bestimmte Produkte betrifft und kleinere Mengen in vielen Fällen vertragen werden. Wir empfehlen für eine potentielle Differenzialdiagnose sowie zur Behandlung die Konsultation eines Facharztes oder Ernährungsberaters.

Es gibt keine speziellen Tests auf Salizylat-Sensitivität, erhöhte Methylhistaminwerte im Urin jedoch können ein hilfreicher Krankheitsmarker sein. Die Krankheit ist nach wie vor medizinisch nicht erwiesen.

Literaturlinks: http://salicylatesensitivity.com

Eosinophile gastrointestinale Syndrome: Eosinophile Ösophagitis

Seit den 1990er Jahren wurde vermehrt von Krankheiten unterschiedlicher Teile des Verdauungstrakts berichtet, die mit der Infiltration eosinophiler Zellen, Zellen, die Teil eines allergischen Prozesses sind, einhergehen. Wir erwähnen diese Syndrome hier, da viele der betroffenen Patienten auch unter Allergien leiden. Ein kausaler Zusammenhang zu bestimmten Allergien ist nicht so einfach herzustellen, jedoch mehr als 50% der Patienten mit einer eosinophilen gastrointestinalen Erkrankung haben Allergien, z. B. gegen Lebensmittel oder der Atemwege. Eine erhöhte Anzahl der eosinophilen Zellen, sowie ein erhöhter IgE-Wert im Blut sind häufig und oft können die Symptome durch den Verzicht auf die Allergie-auslösenden Lebensmittel verbessert werden.

Die häufigste dieser Erkrankungen ist die eosinophile Ösophagitis (EE), die wie folgt definiert werden kann: Symptome in der Speiseröhre, wie beim Schlucken im Hals steckenbleibendes Essen, manchmal auch Schmerzen hinter dem Brustbein, zusammen mit dem Vorkommen vieler eosinophiler Zellen in der Schleimhaut der Speiseröhre. Diese Zellen müssen auch nach Einsatz von Säure-hemmenden Medikamenten nachweisbar sein. Die Spiegelung der Speiseröhre liefert in der Regel keine Hinweise, wird jedoch eine Gewebeprobe entnommen, entdeckt man die dichte Infiltration mit eosinophilen Zellen. Diese lang anhaltende Krankheit kann zu chronischen Veränderungen und einer fortschreitenden Dysfunktion der Speiseröhre führen. Gegenwärtig leiden 32 von 100.000 Personen an einer EE, über 70% davon sind männlich. Bei Kindern wird eine EE noch häufiger mit einer Nahrungsmittelallergie in Verbindung gebracht als bei Erwachsenen. Bei Kindern wird die Krankheit durch den Verzicht auf die Lebensmittel behandelt, die am häufigsten Allergien auslösen (z. B. Kuhmilchprotein, Soja, Weizen, Eier, Erdnüsse, Meeresfrüchte), oder mit Hilfe einer Elementardiät auf Basis von Aminosäuren. Bei Erwachsenen oder auch bei Kindern, bei denen der Verzicht auf die oben genannten Nahrungsmittel nicht den gewünschten Erfolg bringt, werden Steroide mit Hilfe eines Asthma-Inhalators in den Hals gesprüht und geschluckt, was bei über 70% der Patienten eine gute Wirkung erzielt. In manchen Fällen muss die Speiseröhre endoskopisch geweitet (Dilation) oder neuere immunaktive Medikamente versucht werden. Im Verlauf der Erkrankung sind oft sind mehrere Endoskopien und Gewebeprobenentnahmen notwendig.

Eosinophile Syndrome können auch in anderen Teilen des Verdauungsapparates vorkommen, manchmal zusammen mit einer EE. Die daraus resultierenden Symptome sind oft diffus und stark unterschiedlich (Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust, Darmblutungen, Eisenmangel, Blähungen und Darmverschluss werden am häufigsten beobachtet) und die Diagnose erfolgt durch Gewebeentnahme während einer Endoskopie. Kinder und Erwachsene beiden Geschlechts sind gleichermaßen betroffen. Es gibt keine Standardbehandlungsmethode, verschiedene Medikamente wurden jedoch erfolgreich eingesetzt.

Literaturlinks: Medizinische Übersichtsartikel:

Reaktionen auf Alkohol

Reaktionen auf Alkohol sind recht häufig und haben mehrere unterschiedliche mögliche Mechanismen und können unterschiedliche Körperorgane betreffen. Die häufigste Ursache liegt in einem Enzymmangel (Aldehyd-Dehydrogenase), welcher typischerweise Hitzewallungen, Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen, Kopfschmerzen, eine laufende oder verstopfte Nase, Unwohlsein und einen veränderten Blutdruck bewirkt. Rund 50% von Asiaten haben vermutlich dieses Syndrom. Bestimmte Medikamente (z. B. einige Antibiotika) in Kombination mit Alkohol eingenommen können dieselben Symptome auslösen oder verschlimmern. Alkohol alleine kann auch die Freisetzung von Histaminen bewirken, was zu ähnlichen Beschwerden führt.

Alkoholische Getränke enthalten viele unterschiedliche Inhaltsstoffe, die zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen können, z. B. Gerste, Ei, Trauben, Hopfen, Meeresfrüchteproteine, Sulfit, Weizen und Hefe, Wespen- und Bienengift, die alle unabhängig vom Alkohol zu schweren Reaktionen führen können. Werden diese Substanzen in anderen Lebensmitteln vertragen, sind sie nicht die Ursache für die Reaktion auf das alkoholische Getränk. Die Inhaltsstoffe können je nach Getränk sehr unterschiedlich sein.

Sulfite kommen in allen Weinen natürlich vor, aber auch in Trockenfrüchten, Dosenobst, Gefrierobst, Marmeladen und Gelees, Essig, einigen Salaten, Joghurt und weiteren verarbeiteten Milchprodukte, verpackten Nudel- oder Reisgerichten und werden manchmal für die Zubereitung von Krustentieren verwendet. Darüber hinaus werden sie regelmäßig Bier, Sekt und Wein als Konservierungsstoff zugesetzt. Bei empfindlichen Personen wie Asthmatikern können Sulfite Asthma und Keuchen hervorrufen. Die Sulfitkonzentration ist in Rotwein am geringsten, in Weißwein höher und in süßen Weinen am höchsten, was an der Menge an Sulfiten liegt die benötigt wird, um ein Verderben zu verhindern. Organische Weine enthalten möglicherweise weniger oder gar keine zusätzlichen Sulfite. Sulfite sind jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für viele der Kopfschmerzen und andere Symptome, mit Ausnahme der Atemschwierigkeiten, verantwortlich, die während des Konsums alkoholischer Getränke beobachtet werden können.

Die Kopfschmerzen nach dem Genuss von Rotwein können in den phenolen Flavonoiden (mit Tanninen verwandte Komponenten in der Haut von Weintrauben, die für die Antioxidanzien Wirkung verantwortlich sind) oder den Aminosäuren begründet sein. Rotwein enthält wesentlich mehr Tannine und Flavonoide als Weißwein, und auch Tyramin und Histamine sind in Rotwein zahlreicher vorhanden als in Weißwein und können bei Personen, die diese biogenen Amine nicht vertragen, zu Symptomen führen (siehe Biogene Amine).
Der übermässige Genuss von Alkohol kann zu chronischen Organschäden führen und sollte vermieden werden.

Multiple Chemikalienüberempfindlichkeit (Multiple chemical sensitivity, MCS)

Die multiple Chemikalienunverträglichkeit wird hier kurz umrissen, da sie u. a. chronische, allergieartige Symptome des Magen-Darm-Trakts hervorruft. Es handelt sich um eine immer häufiger vorkommende chronische Erkrankung, die schon durch kleineste Konzentrationen chemischer Substanzen ausgelöst wird und eine Vielzahl reizender und toxischer Reaktionen in oftmals mehreren Organen verursacht. Mögliche Verursacher sind u. a. Rauch, Pestizide, Kunststoffe, synthetische Fasern, parfümierte Produkte, Mineralölerzeugnisse, Lösungsmittel, flüchtige organische Verbindungen und häufig zusätzlich Pollen, Milben und Haustierhaare. MCS wird noch kontrovers diskutiert und von den meisten medizinischen Organisationen und Ärzten nicht als organische Krankheit anerkannt, da die Symptome in doppelblinden Tests nicht reproduzierbar sind, die Krankheit ungewöhnlich verteilt ist und aufgrund der häufig sehr niedrigen Konzentrationen der betreffenden Chemikalien. In einer gemeinsamen Erklärung von MCS-Forschern jedoch wurden die folgenden Kriterien des Syndroms definiert:

  • Die Symptome sind reproduzierbar bei wiederholten (chemischen) Expositionen.
  • Der Zustand hält bereits seit längerem an.
  • Die Symptome werden durch niedrige Expositionsniveaus ausgelöst (niedriger als von anderen Personen im Allgemeinen toleriert bzw. vor Beginn der Erkrankung toleriert wurden).
  • Die Symptome bessern sich oder vergehen ganz, wenn die Auslöser gemieden bzw. entfernt werden.
  • Die Auslösung der Symptome erfolgt oft durch verschiedene chemisch miteinander nicht verwandte Stoffe.
  • Die Symptome betreffen mehrere Organe oder Organsysteme (laufende Nase, juckende Augen, Kopfschmerzen, Kratzen im Hals, Ohrenschmerzen, Schmerzen der Kopfhaut, Verwirrung oder Schläfrigkeit, Herzrhythmusstörungen, Magenbeschwerden, Übelkeit und/oder Durchfall, Bauchkrämpfe, Gelenkschmerzen).

Die zugrundeliegenden Mechanismen werden noch nicht ausreichend verstanden, jüngste Forschungen jedoch konzentrieren sich unter anderem auf einen mögliche Mangel der Enzyme, die den Körper entgiften, Reaktionen der Neurotransmitter auf organische Komponenten, sowie anormale Konditionierungsprozesse.

Die Symptome einer MCS sind von Patient zu Patient unterschiedlich und breit gefächert. Häufig kommen noch andere Syndrome hinzu, wie chronische Müdigkeit, Fibromyalgie, funktionelles Darmerkrankungen. Häufige Symptome sind u. a.: brennende Augen, Keuchen, Atemlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen und –krämpfe, Durchfall, Blähungen, Erbrechen, Müdigkeit, Lethargie, Kopfschmerzen, Schwindel, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, laufende Nase, Nebenhöhlenprobleme, Halsschmerzen, Husten, Hautausschläge, Jucken, erhöhte Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Schlafstörungen, sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.

Aufgrund der Komplexität und des ständig wachsenden Wissens über MCS ist die Konsultation eines erfahrenen Behandlungszentrums unbedingt anzuraten.

Literaturlinks: Unterschiedliche Perspektiven:

 
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