Sonstige Reaktionen auf Nahrungsmittel
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Sonstige Reaktionen auf Nahrungsmittel: Pseudoallergien, biogene Amine/Histaminintoleranz,
Salizylat-Sensitivität, eosinophile gastrointestinale Syndrome, Alkoholreaktionen,
multiple Chemikalienüberempfindlichkeit (multiple chemical sensitivity (MCS))
Immun-vermittelte Nahrungsmittelallergien können in IgE-vermittelte und nicht-IgE-vermittelte
Allergien unterteilt werden. Für IgE-vermittelte Allergien gibt es spezifische Tests
(siehe Nahrungsmittelallergien), für nicht-IgE-vermittelte Allergien jedoch existieren
gegenwärtig keine anerkannten Tests. Über diese immun-vermittelten Reaktionen hinaus
wird häufig auch von weiteren allergieartigen Reaktionen ohne einen bestätigten
Immunmechanismus berichtet. Diese Reaktionen werden unten zusammen gefasst. Während
es zweifellos klinische Belege für diese Reaktionen gibt, müssen Mechanismus und
Behandlung in langfristigen und gut kontrollierten medizinischen Versuchen noch
bestätigt werden.
Pseudoallergien
Pseudoallergische Reaktionen bewirken allergieähnliche Symptome, jedoch ohne eine
erkennbare Überempfindlichkeit des Immunsystems. Pseudoallergien können viele Verursacher
haben, u. a. Medikamente sowie natürliche oder künstliche Lebensmittelinhaltsstoffe.
Der zugrundeliegende Mechanismus ist noch unklar, es wurden jedoch zahlreiche Wirkungen
auf verschiedene Zellen und die Freisetzung chemisch aktiver Transmitter dokumentiert.
Pseudoallergien kommen bei zwischen 1 und 60% der Menschen vor, es gibt jedoch auch
konservativere Schätzungen, die von 0,1 bis 2% pro Zusatzstoff ausgehen. Reaktionen
scheinen bei Kindern häufiger aufzutreten.
Zu den am häufigsten berichteten Verursachern von Pseudoallergien gehören:
- Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Schmerzmittel, Muskelrelaxantien
und Röntgenkontrastmittel.
- Lebensmittelzusatzstoffe: Lebensmittelfarbstoffe (z. B. Tartrazin E102, Gelborange
E110 und viele andere), Antioxidantien (z,. B. BHA, BHT), Natriumnitrat, Natriumbenzoat,
Kaliumdisulfid, Aromastoffe, Bindemittel, Säuremittel, Umhüllungsmittel und künstliche
Süßstoffe (z. B. Aspartat).
- Sogenannte natürliche Lebensmittel können viele Zusätze zur Verbesserung von Haltbarkeit
oder Aussehen enthalten, sowie Geschmacksverstärker oder andere natürliche Substanzen,
die von sich aus Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen können.
Die am häufigsten mit einer Pseudoallergie in Verbindung gebrachten Symptome sind
chronisches Hautjucken (Nesselsucht) und Ausschläge, chronische Rhinitis (laufende
Nase) und Sinusitis, Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen. Auch das Auftreten
von Asthma, Ödemen, erhöhter Lichtempfindlichkeit und Schock (Anaphylaxie) ist möglich.
Die Diagnose von Pseudoallergien ist oft schwierig, da es keine spezifischen Haut-,
Verdauungstrakt- oder Laborteste gibt und die Identifikation des schuldigen Inhaltsstoffs
meist sehr mühsam ist. Die wirksamste Form der Diagnose ist mittels Ausschlussdiät,
bei der auf Pseudoallergene verzichtet und ein Symptomtagebuch geführt wird, mit
anschließendem speziellen Provokationstest (siehe Ausschlussdiäten). Der Provokationstest
muss wegen möglicher schwerwiegender Reaktionen unter medizinischer Aufsicht durchgeführt
werden. Wir empfehlen für Diagnose und Behandlung dieses komplizierten klinischen
Leidens die Konsultation eines erfahrenen Facharztes oder Ernährungsberaters.
Bitte beachten Sie: Einige weiter gefasste Definitionen von Pseudoallergien umfassen
auch die unten genannten Beschwerdenbilder sowie die Zuckerintoleranzen (siehe Nahrungsmittelintoleranzen).
Literaturlinks: Medizinische Übersichtartikel:
- Reese I, Zuberbier
T, Bunselmeyer B, Erdmann S, Henzgen M, Fuchs T, Jäger L, Kleine-Tebbe J, Lepp U,
Niggemann B, Raithel M, Saloga J, Vieths S, Werfel T. Diagnostic approach for suspected
pseudoallergic reaction to food ingredients. JDDG 2009;7: 70-77 (zum pdf-Download hier klicken).
-
Randhawa S, Bahna SL. Hypersensitivity reactions to food additives. Curr Opin Allergy
Clin Immunol 2009;9:278-283 (zum pdf-Download hier klicken).
Biogene Amine, Histamin- oder Tyramin-Intoleranz, Scrombroidvergiftung
Biogene Amine wie Histamine und Tyramine sind Substanzen, die sich während der beabsichtigten
oder unbeabsichtigten mikrobiellen Fermentation von Lebensmitteln oder bei verderbenden
Lebensmitteln bilden. Bestimmte Lebensmittel enthalten von Natur aus hohe Mengen
an Histaminen, Tyraminen und/oder anderen biogenen Aminen. Diese sind u. a.:
- Käse (insbesondere reife Sorten), fermentiertes Fleisch, Wein, Dauerwurst, Sauerkraut,
Pilze, Miso und Sojasauce, Schokolade und Hefe
Manche Personen reagieren empfindlicher auf Histamine, möglicherweise aufgrund eines
Defekts der Enzyme Diamineoxidase oder Histamin-N-Methyltransferase, die das Histamin
im Dünndarm aufspalten. Es wird geschätzt, dass 2-5% der Erwachsenen an einer Histaminintoleranz
leiden, dieses Leiden ist jedoch aufgrund fehlender Bestätigung durch klinische
Studien umstritten. Mögliche aber gegenwärtig noch nicht belegte Diagnosemethoden
sind die Bestimmung der Enzymmenge im Darmgewebe, im Blut sowie genetische Tests.
Auch manche Medikamente können die Aktivität dieser Enzyme beeinträchtigen. Diese
sind u. a.:
- Antibiotika (Clavulansäure/Augmentin; Doxycylin, Isoniazid), Metoclopramid, Verapamil,
Promethazin, ältere Antidepressiva (Monoaminoxidase-Inhibitoren), möglicherweise
pflanzliche Zusatzstoffe und Nahrungsergänzungsmittel
Andere Medikamente fördern die Freisetzung von Histamin aus den Immunzellen, so
z. B. manche Opioide, Muskelrelaxantien, Röntgenkontrastmittel und Alkohol.
Verdorbene Lebensmittel mit der damit verbundenen bakteriellen Zersetzung sind eine
sehr häufige Quelle für biogene Amine. Die sogenannte Scrombroidvergiftung ist eine
Hauptursache für Reaktionen nach dem Essen von Fisch. Bei unzureichender Kühlung
ist vor allem Fisch mit dunklem Fleisch betroffen:
- Tunfisch, Kahawai, Makrele, Bonito, Königsmakrele, aber auch Westaustralischer Lachs,
Sardinen, Mahi-Mahi und Blauer Marlin.
Die biogenen Amine lassen sich, wenn sie sich einmal gebildet haben, nicht durch
Hitze oder Kühlung zerstören. Der Verzehr von ordnungsgemäß gekühltem Fisch ruft
diese Reaktionen nicht hevor.
Zu den Symptomen gehören ein Brennen oder Jucken im Mund, Übelkeit, Hitzewallungen,
Hautausschläge oder Nesselsucht, Jucken, Durchfall, Kopfschmerzen, veränderter Blutdruck
(sowohl nach oben, als auch nach unten), Schwindel und Ohnmacht. Die Symptome treten
in der Regel innerhalb ein paar Minuten nach dem Verzehr des Lebensmittels auf und
halten von ein paar Stunden bis zu 24 Stunden an. Sie bedürfen keiner besonderen
Behandlung; die Symptome verschwinden von selbst. Auftretendes Asthma kann mit einer
Histaminintoleranz zusammen hängen.
Reaktionen auf biogene Amine sind keine allergischen Reaktionen. Im Unterschied
zu einer Fischallergie wird derselbe Fisch sonst vertragen.
Literaturlinks: Medizinischer Übersichtsartikel mit einer Tabelle biogener Lebensmittelinhaltsstoffe:
Salizylat-Sensitivität / -intoleranz
Salizylate sind chemische Substanzen, die natürlich in vielen Pflanzen vorkommen
und auch in Aspirin und anderen Schmerzmitteln enthalten sind. Sie kommen in vielen
Obst- und Gemüsesorten vor, aber auch in Gesundheits-, Schönheits- und Haushaltsreinigungsprodukten.
Die Häufigkeit einer Salizylat-Überempfindlichkeit liegt bei 2 bis 40% der Patienten,
die eine Allergieklinik aufsuchen und zwischen 2 und 7% der Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen,
wie entzündliche Darmerkrankungen. Salizylat-Sensitivität ist keine klassische Allergie
mit Beteiligung des Immunsystems; die Ursache liegt vermutlich an einer Überproduktion
von Leukotrienen (Mediatoren entzündlicher Reaktionen) und deren Metaboliten. Die
Existenz der Salizylat-Sensitivität wird von vielen Allergiespezialisten aufgrund
der fehlenden und teilweise sogar konträren medizinischen Belege bestritten. Es
wurde jedoch bereits von zahlreichen möglichen Fällen berichtet.
Die Menschen vertragen unterschiedliche Mengen von Salizylat und eine Intoleranz
zeigt sich nicht unbedingt nach dem Verzehr eines jeden salizylathaltigen Produkts.
Eine Liste der Substanzen, die Salizylat in höheren Konzentrationen enthalten, finden
Sie unten. Diese überschneidet sich ganz erheblich mit der unter Pseudoallergien
zitierten, was möglicherweise daran liegt, dass eine Salizylat-Sensitivität als
eine solche Pseudoallergie definiert werden kann. Viele Nahrungsmittel mit einem
hohen Salizylatgehalt beinhalten auch hohe Mengen an Aminen (siehe
Biogene Amine):
- Lebensmittel: Obst wie Äpfel, Aprikosen, Avocado,
Datteln, Kiwi, Pfirsich, Feigen, Trauben, Pflaumen, Kirschen, Grapefruit, Trockenpflaumen
und viele Beeren, z. B. Erdbeeren, Blaubeeren, Himbeeren. Nüsse, auch Pinienkerne,
Erdnüsse, Pistazien und Mandeln.
- Gemüse wie Alfafa-Sprossen, Blumenkohl, Chicorée, Gurken, Champignons, Rettich,
Oliven, Saubohnen, Auberginen, Spinat, Zucchini, Broccoli und Peperoni.
- Kräuter, Gewürze und Würzmittel (z. B. Anis, Cayenne, Curry, Dill, Thymian, weißer
Essig, Worcestersauce), Tomatenmark und –soßen, Essig, Sojasoße, Marmeladen und
Gelees, sowie einige Käsesorten.
- Getränke wie Kaffee, Wein, Bier, Orangensaft, Apfelwein, Schwarztee, Kräutertees,
Rum oder Sherry.
- Manche Süßigkeiten wie Pfefferminz, Lakritz, Kaugummi mit Minzgeschmack, Atemfrischer,
Speiseeis, Gummibärchen.
- Gesundheits- und Schönheitsartikel: Parfum, Shampoo,
Konditioner, Kräutermittel, Lippenstifte, Lotionen, Reinigungsmilch, Mundspülungen,
Zahnpasta mit Minzgeschmack, Rasiercreme, Sonnencremes, Bräunungscremes, Cremes
gegen Muskelschmerzen.
- Medikamente und oral eingenommene chemische Produkte:
Alka Seltzer, Aspirin, Acetylsalicylsäure / Salicylsäure / Salicylate, 5-ASA-Komponenten
(z. B. Mesalazin), verschiedene nichtsteroidale Antiphlogistika ( NSAIDs), künstliche
Lebensmittelfarb- und –geschmacksstoffe, Menthol und Minze / Pfefferminz / Spearmint.
- Weitere Inhaltstoffe, die eventuell vermieden werden sollten: Aloe
Vera, Azofarbstoffe, Benzoat (Konservierungsmittel), Benzylsalizylat, BHA, BHT,
Disalcid, Eukalyptusöl, Wintergrünöl, roter Farbstoff (#40), Salizylaldehyd, Salizylamid,
Salsalat, gelber Farbstoff (#5, #6).
Die Symptome einer Salizylat-Sensitivität sind unterschiedlich, können denen von
Asthma ähneln, wie erschwertes Atmen und Keuchen, aber auch Kopfschmerzen, verstopfte
Nase, Hautausschlag, Nesselsucht und Jucken, Anschwellen von Händen, Füssen und
Gesicht, Entzündung der Augen, Magenschmerzen und Übelkeit beinhalten. In schweren
Fällen kann eine Salizylat-Sensitivität zu einer Anaphylaxie führen, einer lebensbedrohlichen
Reaktion, die sich in einem erheblichen Blutdruckabfall, Bewusstseinsverlust und
Organversagen äußert. Der Verzicht auf Produkte, die Salizylat enthalten, ist die
beste Methode zur Vermeidung einer Reaktion.
Die Diagnose einer Salizylat-Sensitivität erfolgt durch die extensive Beobachtung
der verwendeten Lebensmittel und anderer Substanzen denen die Person ausgesetzt
ist und der daraufhin womöglich auftretenden Symptome. Ein Ernährungstagebuch (siehe
Ernährungstagebuch) kann für diesen Zweck sehr hilfreich sein, und eine Ausschlussdiät
(siehe Ausschlussdiät) kann erforderlich sein, um die hauptsächlich betroffenen
Lebensmittel zu bestätigen. Der völlige Verzicht auf Produkte mit Salizylat ist
weder möglich noch notwendig, da die Überempfindlichkeit häufig nur bestimmte Produkte
betrifft und kleinere Mengen in vielen Fällen vertragen werden. Wir empfehlen für
eine potentielle Differenzialdiagnose sowie zur Behandlung die Konsultation eines
Facharztes oder Ernährungsberaters.
Es gibt keine speziellen Tests auf Salizylat-Sensitivität, erhöhte Methylhistaminwerte
im Urin jedoch können ein hilfreicher Krankheitsmarker sein. Die Krankheit ist nach
wie vor medizinisch nicht erwiesen.
Literaturlinks: http://salicylatesensitivity.com
Eosinophile gastrointestinale Syndrome: Eosinophile Ösophagitis
Seit den 1990er Jahren wurde vermehrt von Krankheiten unterschiedlicher Teile des
Verdauungstrakts berichtet, die mit der Infiltration eosinophiler Zellen, Zellen,
die Teil eines allergischen Prozesses sind, einhergehen. Wir erwähnen diese Syndrome
hier, da viele der betroffenen Patienten auch unter Allergien leiden. Ein kausaler
Zusammenhang zu bestimmten Allergien ist nicht so einfach herzustellen, jedoch mehr
als 50% der Patienten mit einer eosinophilen gastrointestinalen Erkrankung haben
Allergien, z. B. gegen Lebensmittel oder der Atemwege. Eine erhöhte Anzahl der eosinophilen
Zellen, sowie ein erhöhter IgE-Wert im Blut sind häufig und oft können die Symptome
durch den Verzicht auf die Allergie-auslösenden Lebensmittel verbessert werden.
Die häufigste dieser Erkrankungen ist die eosinophile Ösophagitis (EE), die wie
folgt definiert werden kann: Symptome in der Speiseröhre, wie beim Schlucken im
Hals steckenbleibendes Essen, manchmal auch Schmerzen hinter dem Brustbein, zusammen
mit dem Vorkommen vieler eosinophiler Zellen in der Schleimhaut der Speiseröhre.
Diese Zellen müssen auch nach Einsatz von Säure-hemmenden Medikamenten nachweisbar
sein. Die Spiegelung der Speiseröhre liefert in der Regel keine Hinweise, wird jedoch
eine Gewebeprobe entnommen, entdeckt man die dichte Infiltration mit eosinophilen
Zellen. Diese lang anhaltende Krankheit kann zu chronischen Veränderungen und einer
fortschreitenden Dysfunktion der Speiseröhre führen. Gegenwärtig leiden 32 von 100.000
Personen an einer EE, über 70% davon sind männlich. Bei Kindern wird eine EE noch
häufiger mit einer Nahrungsmittelallergie in Verbindung gebracht als bei Erwachsenen.
Bei Kindern wird die Krankheit durch den Verzicht auf die Lebensmittel behandelt,
die am häufigsten Allergien auslösen (z. B. Kuhmilchprotein, Soja, Weizen, Eier,
Erdnüsse, Meeresfrüchte), oder mit Hilfe einer Elementardiät auf Basis von Aminosäuren.
Bei Erwachsenen oder auch bei Kindern, bei denen der Verzicht auf die oben genannten
Nahrungsmittel nicht den gewünschten Erfolg bringt, werden Steroide mit Hilfe eines
Asthma-Inhalators in den Hals gesprüht und geschluckt, was bei über 70% der Patienten
eine gute Wirkung erzielt. In manchen Fällen muss die Speiseröhre endoskopisch geweitet
(Dilation) oder neuere immunaktive Medikamente versucht werden. Im Verlauf der Erkrankung
sind oft sind mehrere Endoskopien und Gewebeprobenentnahmen notwendig.
Eosinophile Syndrome können auch in anderen Teilen des Verdauungsapparates vorkommen,
manchmal zusammen mit einer EE. Die daraus resultierenden Symptome sind oft diffus
und stark unterschiedlich (Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust, Darmblutungen,
Eisenmangel, Blähungen und Darmverschluss werden am häufigsten beobachtet) und die
Diagnose erfolgt durch Gewebeentnahme während einer Endoskopie. Kinder und Erwachsene
beiden Geschlechts sind gleichermaßen betroffen. Es gibt keine Standardbehandlungsmethode,
verschiedene Medikamente wurden jedoch erfolgreich eingesetzt.
Literaturlinks: Medizinische Übersichtsartikel:
Reaktionen auf Alkohol
Reaktionen auf Alkohol sind recht häufig und haben mehrere unterschiedliche mögliche
Mechanismen und können unterschiedliche Körperorgane betreffen. Die häufigste Ursache
liegt in einem Enzymmangel (Aldehyd-Dehydrogenase), welcher typischerweise Hitzewallungen,
Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen, Kopfschmerzen, eine laufende oder verstopfte
Nase, Unwohlsein und einen veränderten Blutdruck bewirkt. Rund 50% von Asiaten haben
vermutlich dieses Syndrom. Bestimmte Medikamente (z. B. einige Antibiotika) in Kombination
mit Alkohol eingenommen können dieselben Symptome auslösen oder verschlimmern. Alkohol
alleine kann auch die Freisetzung von Histaminen bewirken, was zu ähnlichen Beschwerden
führt.
Alkoholische Getränke enthalten viele unterschiedliche Inhaltsstoffe, die zu Überempfindlichkeitsreaktionen
führen können, z. B. Gerste, Ei, Trauben, Hopfen, Meeresfrüchteproteine, Sulfit,
Weizen und Hefe, Wespen- und Bienengift, die alle unabhängig vom Alkohol zu schweren
Reaktionen führen können. Werden diese Substanzen in anderen Lebensmitteln vertragen,
sind sie nicht die Ursache für die Reaktion auf das alkoholische Getränk. Die Inhaltsstoffe
können je nach Getränk sehr unterschiedlich sein.
Sulfite kommen in allen Weinen natürlich vor, aber auch in Trockenfrüchten, Dosenobst,
Gefrierobst, Marmeladen und Gelees, Essig, einigen Salaten, Joghurt und weiteren
verarbeiteten Milchprodukte, verpackten Nudel- oder Reisgerichten und werden manchmal
für die Zubereitung von Krustentieren verwendet. Darüber hinaus werden sie regelmäßig
Bier, Sekt und Wein als Konservierungsstoff zugesetzt. Bei empfindlichen Personen
wie Asthmatikern können Sulfite Asthma und Keuchen hervorrufen. Die Sulfitkonzentration
ist in Rotwein am geringsten, in Weißwein höher und in süßen Weinen am höchsten,
was an der Menge an Sulfiten liegt die benötigt wird, um ein Verderben zu verhindern.
Organische Weine enthalten möglicherweise weniger oder gar keine zusätzlichen Sulfite.
Sulfite sind jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für viele der Kopfschmerzen
und andere Symptome, mit Ausnahme der Atemschwierigkeiten, verantwortlich, die während
des Konsums alkoholischer Getränke beobachtet werden können.
Die Kopfschmerzen nach dem Genuss von Rotwein können in den phenolen Flavonoiden
(mit Tanninen verwandte Komponenten in der Haut von Weintrauben, die für die Antioxidanzien
Wirkung verantwortlich sind) oder den Aminosäuren begründet sein. Rotwein enthält
wesentlich mehr Tannine und Flavonoide als Weißwein, und auch Tyramin und Histamine
sind in Rotwein zahlreicher vorhanden als in Weißwein und können bei Personen, die
diese biogenen Amine nicht vertragen, zu Symptomen führen (siehe
Biogene Amine).
Der übermässige Genuss von Alkohol kann zu chronischen Organschäden führen und sollte vermieden werden.
Multiple Chemikalienüberempfindlichkeit (Multiple chemical sensitivity, MCS)
Die multiple Chemikalienunverträglichkeit wird hier kurz umrissen, da sie u. a.
chronische, allergieartige Symptome des Magen-Darm-Trakts hervorruft. Es handelt
sich um eine immer häufiger vorkommende chronische Erkrankung, die schon durch kleineste
Konzentrationen chemischer Substanzen ausgelöst wird und eine Vielzahl reizender
und toxischer Reaktionen in oftmals mehreren Organen verursacht. Mögliche Verursacher
sind u. a. Rauch, Pestizide, Kunststoffe, synthetische Fasern, parfümierte Produkte,
Mineralölerzeugnisse, Lösungsmittel, flüchtige organische Verbindungen und häufig
zusätzlich Pollen, Milben und Haustierhaare. MCS wird noch kontrovers diskutiert
und von den meisten medizinischen Organisationen und Ärzten nicht als organische
Krankheit anerkannt, da die Symptome in doppelblinden Tests nicht reproduzierbar
sind, die Krankheit ungewöhnlich verteilt ist und aufgrund der häufig sehr niedrigen
Konzentrationen der betreffenden Chemikalien. In einer gemeinsamen Erklärung von
MCS-Forschern jedoch wurden die folgenden Kriterien des Syndroms definiert:
- Die Symptome sind reproduzierbar bei wiederholten (chemischen) Expositionen.
- Der Zustand hält bereits seit längerem an.
- Die Symptome werden durch niedrige Expositionsniveaus ausgelöst (niedriger als von
anderen Personen im Allgemeinen toleriert bzw. vor Beginn der Erkrankung toleriert
wurden).
- Die Symptome bessern sich oder vergehen ganz, wenn die Auslöser gemieden bzw. entfernt
werden.
- Die Auslösung der Symptome erfolgt oft durch verschiedene chemisch miteinander nicht
verwandte Stoffe.
- Die Symptome betreffen mehrere Organe oder Organsysteme (laufende Nase, juckende
Augen, Kopfschmerzen, Kratzen im Hals, Ohrenschmerzen, Schmerzen der Kopfhaut, Verwirrung
oder Schläfrigkeit, Herzrhythmusstörungen, Magenbeschwerden, Übelkeit und/oder Durchfall,
Bauchkrämpfe, Gelenkschmerzen).
Die zugrundeliegenden Mechanismen werden noch nicht ausreichend verstanden, jüngste
Forschungen jedoch konzentrieren sich unter anderem auf einen mögliche Mangel der
Enzyme, die den Körper entgiften, Reaktionen der Neurotransmitter auf organische
Komponenten, sowie anormale Konditionierungsprozesse.
Die Symptome einer MCS sind von Patient zu Patient unterschiedlich und breit gefächert.
Häufig kommen noch andere Syndrome hinzu, wie chronische Müdigkeit, Fibromyalgie,
funktionelles Darmerkrankungen. Häufige Symptome sind u. a.: brennende Augen, Keuchen,
Atemlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen und –krämpfe, Durchfall, Blähungen, Erbrechen,
Müdigkeit, Lethargie, Kopfschmerzen, Schwindel, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche,
laufende Nase, Nebenhöhlenprobleme, Halsschmerzen, Husten, Hautausschläge, Jucken,
erhöhte Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Schlafstörungen, sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.
Aufgrund der Komplexität und des ständig wachsenden Wissens über MCS ist die Konsultation
eines erfahrenen Behandlungszentrums unbedingt anzuraten.
Literaturlinks: Unterschiedliche Perspektiven:
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