Wechselwirkung zwischen Nahrungsmittelallergien und anderen Allergien, Kreuzreaktionen |
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Ursache
Allergien sind Reaktionen des Immunsystem des Körpers auf eine Reihe unterschiedlicher Substanzen, z. B. tierische Produkte, Milben, Schimmel, Latex, Pollen, Medikamente, Pflanzen, Gifte sowie Nahrungsmittel. Die meisten Allergien gegen Nicht-Nahrungsmittel können begleitet werden von Reaktionen im Mund oder des Magen-Darm-Trakts. Der Anteil der Personen mit einer Allergie gegen ein Nicht-Nahrungsmittel, die unter diesen Symptomen leiden, hängt stark von der Allergie und auch von der Bevölkerungsgruppe ab. Bis zu 80% der Patienten mit bestimmten Pollenallergien, zum Beispiel, klagen auch über Reaktionen im Mundbereich oder im Magen-Darm-Trakt.
Die Gründe für diese Kreuzreaktionen liegen in der strukturellen Ähnlichkeit zwischen den Proteinen unterschiedlicher Quellen wie Pollen und den Nahrungsmitteln. Die gegenwärtige Molekularforschung bietet hilfreiche Informationen für die Vorhersage von Kreuzreaktionen (siehe z.B. www.allergen.org).
Vorkommen
- Rund 70% der Personen mit einer Nahrungsmittelallergie leiden auch an anderen Allergien wie Heuschnupfen.
- Unter Heuschnupfen (allergische Rhinitis) leiden 15-20% der Bevölkerung und rund die Hälfte davon zeigen eine allergische Reaktion im Mund (orales Allergiesyndrom; Nahrungsmittel Hypersensibilitätssyndrom) oder, seltener, im Verdauungssystem.
- Birkenpollenallergie ist die Form von Heuschnupfen, die in den westlichen entwickelten Ländern am häufigsten gemeinsam mit einer Nahrungsmittelallergie vorkommt – in bis zu 80% der Fälle.
- Zwischen 30-80% der Personen mit einer Latexallergie zeigen auch allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel.
- Eine Kreuzreaktion zwischen Allergien gegen Meeresfrüchte und Milben / Hausstaub ist häufig.
- Kinder mit atopischer Dermatitis leiden sehr häufig (mind. 30%) an Nahrungsmittelallergien, meist betreffen diese Kuhmilch, Eier und Erdnüsse.
- Durch Nahrungsmittel erzeugtes Asthma kommt bei ca. 6% der Kinder vor (seltener bei Erwachsenen), meist hervorgerufen durch Kuhmilch, Eier oder Erdnüsse.
Allergiearten
Allergien betreffen oft mehrere Organe, z. B. den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege einschließlich Nebenhöhlen, die Augen, die Haut oder sogar das Nervensystem. Das Aufdecken der Zusammenhänge zwischen Allergien bedarf einer genauen Beobachtung sowie der exakten Aufnahme der Anamnese durch den Arzt.
Häufige Kreuzreaktionen zwischen Pollen und Nahrungsmitteln
- Birkenpollen: Apfel, Karotte / Möhre, Sellerie, Birne, Tomate, Kirsche, Nüsse (selten: viele andere Obstsorten und Gewürze)
- Gänsefußpollen: Banane, Melone, Pfirsich (selten: Nektarine, Spargel, Kiwi, Kartoffel, Olive, Zwiebel)
- Beifußpollen (Gräser): Karotte, Sellerie, Anissamen, Pfirsich (selten: viele andere Obstsorten, Gemüse und Gewürze)
- Ambrosiapollen: Melone, Gurke, Banane, Sonnenblume
- Wiesen-Lieschgras: Apfel, Litschi, Tomate, Sellerie, Mais, Paprika
Die meisten Personen mit Heuschnupfen zeigen eine Kreuzreaktion auf zwei oder mehr Nahrungsmittel. Die häufigsten Symptome sind ein Kribbeln, Anschwellen und Jucken im Mund oder auf den Lippen, nur rund 10% jedoch leiden unter Symptomen des Verdauungstrakts.
Häufige Kreuzreaktionen zwischen unterschiedlichen Nahrungsmitteln
- Shrimp, lobster, crab, less common: squid, scallops, clams, oysters (associated: mite allergy)
- Tintenfisch, Jakobsmuscheln, Venusmuscheln, Austern, weniger häufig: Shrimps, Hummer, Krabben
- Erdnuss, Lupine
- Nüsse (Walnuss, Haselnuss, Paranuss, Pekannuss), Pistazien, Cashewnüsse
- Kuhmilch, Milch anderer artfremder Säugetiere (z. B. >90% Ziegen- und Schafsmilch, Rindfleisch (10%!))
- Hühnerei, selten andere Vogeleier und Geflügelfleisch
- Getreide (Weizen, Hafer, Gerste, Roggen, Hirse, Sorghum, Mais, Reis): Kreuzallergie ist nicht häufig: Bei 20% Kreuzreaktion mit einem anderen Getreide. Mehlallergie – möglicherweise mit Milben kontaminiert.
- Fisch, häufige Kreuzreaktionen, auch zwischen Salz- und Süßwasserfisch, nicht mit Schalentieren. Nicht mit Histaminintoleranz zu verwechseln (d. h. nicht allergisch, siehe Biogene Amine)
- Samen, Sesam, Senf, Sonnenblumen
- Pfirsich und Melone bilden oft Kreuzreaktionen mit anderen Obstsorten (wenngleich in der Regel milder Ausprägung)
Latex-Obstallergiesyndrom – Latexkontaktallergie tritt in 30-80% der Fälle zusammen mit einer Nahrungsmittelallergie auf
- Latex, Banane, Avocado, Kastanie, Apfel, Kiwi, Kartoffel, Tomate, Melone, Papaya. Weniger häufig: Feige, Ananas, Pfirsich, Birne, Passionsfrucht, Walnuss, Haselnuss, Mandel, Grapefruit, Erdbeere, Spinat, Kopfsalat, Sellerie, diverse Gewürze. Kontaktallergie gegen Latexprodukte sowie bestimmte Pflanzen (z. B. Feigenbaum, Gummibaum, Oleander, Kaktus).
Symptome
Allergische Reaktionen, die den Verdauungstrakt betreffen, können zu einer Reihe von Symptomen führen, die von einem harmlosen Kribbeln im Mund bis zum lebensbedrohlichen Schock reichen können und von einer Dauer von nur wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen. Mindestens 30% der Patienten zeigen Symptome, die denen einer funktionellen Darmerkrankung wie dem Reizdarmsyndrom, funktionellem Durchfall oder funktioneller Dyspepsie ähneln: Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Bauchkrämpfe und –schmerzen, Durchfall, Schluckbeschwerden oder Reflux. Ein Kribbeln, Anschwellen oder Jucken im Mund, auf der Zunge oder im Hals sind häufige Anzeichen für das Pollen-assoziierte orale Allergiesyndrom (Nahrungsmittel Kontakthypersensibilität), die häufigste Form der Lebensmittelallergie bei Jugendlichen und Erwachsenen. Diese Symptome treten zur Heuschnupfenzeit oft verstärkt auf. Weitere mögliche Manifestationen von Nahrungsmittelallergien sind Hautreaktionen wie Jucken (Urticaria), Ausschlag, Ödeme oder Schwellungen, sowie Atemwegsprobleme wie eine laufende Nase, Nebenhöhlenentzündung, Asthma oder Bronchitis. Auch Reaktionen des Nervensystems wie Abgeschlagenheit, chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Migräne und psychiatrische Störungen, sowie muskuloskeletale Symptome wie Gelenk- und Muskelschmerzen werden vermehrt beobachtet. Nahrungsmittelallergien können auch zu Reaktionen außerhalb des Magen-Darm-Trakts führen, z. B. zu Ekzemen, die auch ohne jede Beeinträchtigung der Verdauung auftreten können. Im Extremfall kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen.
Die atopische Dermatitis / Neurodermitis wird häufig mit einer Allergie gegen Eier, Kuhmilch oder Erdnüssen in Verbindung gebracht. Der Verzicht auf die entsprechenden Lebensmittel führt bei den meisten Kindern zu einer erheblichen Verbesserung der Symptome. In den meisten Fällen flacht die Krankheit im jugendlichen Alter ab, mache Patienten jedoch entwickeln auch eine respiratorische Allergie.
Behandlung
Der wichtigste Aspekt der Allergiebehandlung ist die exakte Identifikation des betreffenden Nahrungsmittels oder anderen Auslösers (siehe Nahrungsmittelallergietests). Nach heutigen Kennnissen kann das Auftreten und die Verschlimmerung der Symptome nur durch den dauerhaften Verzicht auch auf kleine Mengen der schuldigen Substanz vermieden werden. Der komplette Verzicht ist oft schwierig, abhängig vom Allergen, und erfordert häufig den Rat eines erfahrenen Ernährungsberaters, sowie eine große Portion persönliche Motivation und Disziplin. Das sorgefältige Studieren der Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, Medikamenten und in einigen Fällen auch der Haushalts- und Kosmetikprodukte ist dringend angeraten. Darüber hinaus ist die Unterstützung bei der Nahrungsmittelsubstitution im Falle einer Allergie gegen Obst oder Gemüse notwendig, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Das Allergiepotential vieler Substanzen kann durch Kochen oder Weiterverarbeitung verringert, wenn auch nicht eliminiert werden; das gilt jedoch nicht bei Erdnüssen und Nüssen.
Ist ein vollständiger Verzicht nicht möglich, können bestimmte antiallergische Medikamente helfen, z. B. Cromoglykat, Ketotifen, eine Kombination von Antihistaminen und Probiotika. Der Nutzen von Steroiden oder anderer neuartiger Wirkstoffe ist gegenwärtig nicht ausreichend erwiesen, mit Ausnahme der eosinophilen Darmerkrankungen. Notfallbehandlungsinjektoren (z. B. Epipen™) sollten bei schweren allergischen Reaktionen immer mitgeführt werden. Eine Desensibilisierung (Immuntherapie) ist bei einigen Allergieformen, insbesondere bei der Pollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie, in einer Untergruppe von Patienten erfolgreich, die Wirkung hält jedoch meist nicht langfristig an. Andere Behandlungsarten, die sich noch im Entwicklungsstadium befinden, sind Impfung, Anti-IgE und andere Antikörper, Toleragen-Peptide, rekombinante Epitope zur Hyposensibilisierung, Anti-Mastzellenmedikamente, sowie molekulare Modifikation des betreffenden Nahrungsmittelproteins.
Wissenswertes
- Eine Nahrungsmittelallergie als Kreuzreaktion einer Pollenallergie kann sich während der Pollenflugzeit verschlechtern und mit Ende der Pollensaison abflachen. Das bedeutet, dass bestimmte Nahrungsmittel außerhalb der Heuschnupfenzeit womöglich vertragen werden.
- Im Falle einer Allergie gegen eine Fischsorte ist es angebracht, auf den Verzehr jeglicher Fischarten zu verzichten, da das Risiko einer Kreuzreaktion sehr hoch ist.
- Reaktionen auf Fisch, insbesondere wenn nicht ganz frisch, rühren in der Regel eher von einer Histaminempfindlichkeit und nicht von einer Allergie (siehe Biogene Amine).
- Die häufigste Kreuzreaktion von Obstallergien besteht auf Pfirsich und Melone.
- Nahrungsmittelallergien verursachen manchmal Symptome außerhalb des Magen-Darm-Trakts, z. B. Ekzeme, ohne dass es dabei zu nennenswerten Verdauungbeschwerden kommt.
Literaturlinks
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