Ursachen
Zöliakie, früher auch unter der Bezeichnung Sprue bekannt, ist eine Autoimmunerkrankung
in genetisch prädisponierten Individuen, bei der eine Überempfindlichkeit gegen
Gluten besteht. Gluten ist ein Protein, das in Weizen, Roggen und Gerste vorkommt.
Ein Proteinteil des Glutens, das Gliadin, wird nicht vollständig verdaut, was zu
einer chronischen Entzündung hauptsächlich des Dünndarms führt. Dieser Vorgang kann
durch Faktoren, die die Durchlässigkeit der Darmwand erhöhen (erhöhte intestinale
Permeabilität) wie Infektionen noch verschlimmert werden. Stillen, sowie das Vermeiden
glutenhaltiger Lebensmittel bis zum 7. Lebensmonat, können das Risiko einer Zöliakie
vermindern.
Vorkommen
Etwa 1% der Bevölkerung leiden laut Screeninguntersuchungen an Zöliakie, die meisten
davon zeigen keine Symptome. Das Risiko, an einer Zöliakie zu erkranken ist höher,
wenn ein Verwandter ersten Grades (5-22%) oder zweiten Grades (2-15%) betroffen
ist, sowie bei Patienten mit Diabetes Mellitus Typ 1 (2-8%), autoimmuner Schilddrüsenentzündung
(2-7%), Lebererkrankung (2-9%), Down Syndrom (5%), Turner Syndrom (6%), unerklärter
Unfruchtbarkeit (4%), und besonders bei einer Hauterkrankung namens Dermatitis herpetiformis
(100%). Zöliakie tritt sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen auf und fast
alle Patienten weisen bestimmte genetische Marker auf (HLA-DQ2 oder HLA-DQ8). Negative
Marker schließen diese Krankheit praktisch aus, positive Marker jedoch werden auch
bei über 40% von nicht betroffenen Personen gefunden. Inzwischen sind 25% der Patienten
mit neu diagnostizierter Zöliakie über 60 Jahre alt.
Symptome
Symptome einer Zöliakie reichen von unspezifischen Anzeichen wie Müdigkeit, Anämie,
Osteoporose, Resorptionsstörung von Vitaminen und Mineralien, Anomalien des Zahnschmelzes,
Erkrankungen von Haut, Schilddrüse oder Leber, Wachstumsstörungen bei Kindern, mögliche
Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten, sowie neurologische Symptomen, bis zu den klassischen
Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, Blähungen, vermehrte Darmgeräusche,
Bauchschmerzen und –krämpfe, Erbrechen und Gewichtsverlust. Auch diverse rheumatologische,
dermatologische und neurologische Autoimmunerkrankungen sowie Depressionen werden
mit einer Zöliakie in Verbindung gebracht. Bei unsachgemäß behandelter Krankheit
tritt Dünndarmkrebs häufiger auf. Über 35% der Patienten, bei denen Zöliakie festgestellt
wurde, hatten im Vorfeld die Diagnose eines Reizdarmsyndroms erhalten. Entzündung
des Dünndarms aufgrund der Zöliakie ist eine häufige Ursache für die so genannte
sekundäre Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit, siehe
Laktoseintoleranz), unerklärbaren Eisenmangel oder Anämie, sowie Osteoporose.
Tests und Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch Entnahme von Gewebeproben aus dem Dünndarm während einer
Endoskopie, sowie durch Bluttests auf bestimmte Antikörper (Anti-Transglutaminase,
aTGA) und genetische Marker. Zöliakie tritt sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen
auf und fast alle Patienten weisen bestimmte genetische Marker auf (HLA-DQ2 oder
HLA-DQ8). Negative Marker schließen diese Krankheit praktisch aus, positive Marker
jedoch werden auch bei über 40% der nicht betroffenen Personen gefunden. Inzwischen
sind 25% der Patienten mit neu diagnostizierter Zöliakie über 60 Jahre alt. Der
Ausschluss von Vitamin- und anderer Mangelzuständen, sowie anderer Erkrankungen
mit ähnlichen Symptomen sollte Teil der Diagnosestellung sein.
Siehe Tests.
Behandlung
Die Behandlung erfolgt durch den konsequenten und lebenslangen Verzicht auf Gluten.
Dies erfordert die langfristige Unterstützung durch einen Ernährungsberater, sowie
medizinische Überwachung. Weizen, Roggen und Gerste müssen vollständig vom Essensplan
gestrichen werden; hierbei muss auch auf verstecktes Gluten in Lebensmitteln, Getränken
und Medikamenten geachtet werden (siehe
Nahrungsmittel Tabellen). Haferflocken sind glutenfrei, können jedoch während
des Herstellungsprozesses mit Gluten kontaminiert werden. Von den meisten Patienten
werden sie vertragen. In vielen Ländern ist mittlerweile eine Reihe von glutenfreien
Lebensmitteln erhältlich und Selbsthilfegruppen bieten hilfreiche Unterstützung
und Informationsquellen (Siehe Links unten). Die Bezeichnung
‚glutenfrei‘ bedeutet nur, dass der Glutengehalt unter einer von der Regierung definierten
Grenze liegt. In manchen Ländern werden die nötigen speziellen Lebensmittel subventioniert.
Verschiedene neuartige Therapien werden getestet, z. B. die Entwicklung von genetisch
verändertem Getreide ohne die entsprechenden Proteine, Erzeugung einer Immuntoleranz,
sowie die Einnahme von Ergänzungsmitteln zur Verdauung der entsprechenden Proteine.
Wiederholte und langfristige Nachuntersuchungen sind bei dieser Krankheit unbedingt
notwendig. Die Einhaltung der glutenfreien Ernährung sowie der Krankheitsverlauf
sollten regelmäßig durch Bluttests auf Antikörper (z. B. Anti-Transglutaminase-Antikörper)
oder Biopsien des Dünndarms überprüft werden. Bei strenger Einhaltung der Diät sowie
gutem Ansprechen darauf, können viele der potentiellen Komplikationen der Krankheit
verhindert werden. Durch das vermehrte Vorkommen einiger Krebsarten und Autoimmunerkrankungen
sind jedoch regelmäßige Nachuntersuchungen unbedingt empfohlen. Häufig sind Vitamine
und Mineralien als Nahrungsergänzungsmittel nötig. Eine Verbesserung der Symptome
kann bereits zwei Wochen nach Beginn der Ernährungsumstellung beobachtet werden,
und die Antikörper können innerhalb von 3-12 Monaten normalisieren. Eine sekundäre
Laktoseintoleranz verschwindet häufig mit der Zeit von selbst. Zeigt die glutenfreie
Ernährung keine Wirkung, liegt das meistens an Ernährungsfehlern; bei ca. 5% der
Patienten allerdings zeigt sich trotz strenger Diät keine Verbesserung (‚refraktäre
Zöliakie‘). In diesem Fall ist eine weitere diagnostische Abklärung erforderlich.
Eine refraktäre Zöliakie kann manchmal mit Steroiden oder Immunsuppresiva behandelt
werden.
Gegenwärtig umstritten sind die Notwendigkeit einer glutenfreien Ernährung bei asymptomtischen
Patienten, die positiv auf Zöliakie getestet wurden, die in Lebensmitteln erlaubte
Maximalmenge Gluten, mit der das Lebensmittel als ‚glutenfrei‘ bezeichnet werden
darf, sowie die Interpretation von Getreide- oder Glutensensibilität ohne Hinweis
auf eine Zöliakie (Gluten-Hypersensibilität). Hier sei bemerkt, dass nicht alle
Getreideintoleranzen gleich eine Zöliakie bedeuten. Bei nicht eindeutigen Symptomen
sollten auch Allergien und Intoleranzen gegen andere Getreidesorten in Betracht
gezogen werden. Eine dieser Differenzialdiagnosen ist die Weizenallergie, die IgE-vermittelt
und häufig Anstrengungs-induziert ist (siehe Nahrungsmittelallergien),
sowie die Fruktoseintoleranz durch Fructopolysaccharide (siehe
Fruktoseintoleranz).
Siehe Nahrungsmittel Tabellen.
Links zu Literatur und Selbsthilfegruppen:
http://zoeliakie.ch
www.dzg-online.de
www.zoeliakie.or.at
www.zoeliakie-treff.de/zoeliakie/zoeliakie.html
www.celiac.org
www.gluten.net
www.americanceliac.org
www.celiac.com
www.csaceliacs.org
www.celiachealth.org
http://celiac.nih.gov
http://www.celiaccentral.org
http://shepherdworks.com.au/disease-information/coeliac-disease
http://gflinks.com
www.coeliac.org.au
Glutenfreie Medikamente: http://www.glutenfreedrugs.com
und
http://www.foodintolerances.org/pdf/Plogsted-Article-Medications-and-Celiac-Disease.pdf